Lohngleichheit, jeden Tag! – Forderung nach Lohngerechtigkeit unabhängig von der Geschlechtsidentität.
2026Der sogenannte Gender Pay Gap (auf Deutsch sinngemäß: geschlechtsabhängiger Lohnabstand) liegt in Deutschland derzeit bei 16% (Quelle: Statistisches Bundesamt1). Das bedeutet, dass Frauen in Deutschland im Mittel einen 16% geringeren Brutto-Stundenlohn erhalten als Männer. Auf diesen prozentualen Unterschied macht der Equal Pay Day (dt.: Tag der Lohngleichheit) symbolisch aufmerksam. Stelle man sich nämlich vor, diese 16%-Lücke im Bruttolohn würde sich dadurch widerspiegeln, dass Frauen 16% des Jahres keinen Lohn erhielten, dann würden Frauen 2026 erst ab dem 27.02. ihren Bruttolohn für dieses Jahr erhalten. Der Equal Pay Day soll Aufmerksamkeit und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass trotz rechtlicher und gesamtgesellschaftlicher Fortschritte in der Gleichbehandlung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz weiterhin ein geschlechtsspezifisches Einkommensungleichgewicht besteht, das in mehrerlei Hinsicht aus sexistischen Strukturen in unserer Gesellschaft und noch immer verbreitetem sexistischem Gedankengut in den Köpfen der Menschen resultiert.
Was genau es mit dem Gender Pay Gap auf sich hat, erfahren Sie in diesem Video des Statistischen Bundesamts aus dem Jahre 2022:
(Link zur Website)
Im Video wird zwischen dem „unbereinigten“ und dem „bereinigten“ Gender Pay Gap unterschieden. Der bereinigte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen mit gleichwertiger Qualifikation oder Tätigkeit, lag 2025 bei 6%. Frauen erhielten also im Durchschnitt 6% weniger Bruttolohn als ihre männlichen Kollegen mit gleicher Qualifikation oder im gleichen Job. Dieser Wert ist ebenfalls relevant, da er als Kennzahl für die direkt aus der Geschlechtsidentität resultierende Ungleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt dient. Er ist jedoch nicht aussagekräftig bezüglich der Ungleichbehandlung von Frauen als Folge gesellschaftlicher und struktureller Hürden, die aus patriarchalem (also Männer und Männlichkeit bevorzugendem) Gedankengut resultieren. Der unbereinigte Gender Pay Gap von 16% ist also aus feministischer Perspektive besonders relevant, da er eher als Kennzahl für das Ausmaß von geschlechtsabhängig benachteiligenden Strukturen in einer Gesellschaft dient.
Falls Ihr Interesse geweckt ist, finden Sie im Folgenden weiterführende Informationen zum Gender Pay Gap:
- Informationsseite des Statistischen Bundesamts zum Gender Pay Gap.
- 10 Fakten zum Gender Pay Gap der Equal Pay Day Kampagne.
- 5 Ursachen hinter dem Gender Pay Gap.
Hier ist ja nur die Rede von Frauen und Männern… aber was ist mit queeren und INTA+ Personen?
Einen dezidiert queeren oder INTA+-inklusiven Lohngerechtigkeitstag gibt es in Deutschland bisher leider nicht. In den Vereinigten Staaten von Amerika hingegen gibt es seit geraumer Zeit den LGBTQIA+ Equal Pay Awareness Day, der meist im Juni stattfindet.2 Dieser soll Aufmerksamkeit für die Lohnungleichheiten von diversen Merkmalsträger*innen im queeren Spektrum schaffen. Denn auch diese Personen und Personengruppen erleben Lohnungerechtigkeiten3 auf dem Arbeitsmarkt. Zwar gibt es auf europäischer Ebene Bestreben die Gleichstellung von Menschen inklusiver und intersektionaler zu gestalten sowie deren gesetzliche Verankerung voranzutreiben, dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch viel Aufholbedarf.4
Und was kann nun jede*r von uns tun, um auf Lohngleichheit und Lohngerechtigkeit hinzuarbeiten?
- Helfen Sie dabei auf die Lohnungleichheit aufmerksam zu machen! Sprechen Sie mit Kolleg*innen, Freund*innen und Bekannten über die Gender Pay Gap und den Equal Pay Day.
- Sprechen Sie über die kontextuellen und strukturellen Gründe hinter der geschlechtsbezogenen Lohnungleichheit in Deutschland! Die Geringschätzung und zu geringe Vergütung von „typisch weiblichen Berufen“ (z.B. Erzieher*in, Krankenpfleger*in). Die fehlende finanzielle Vergütung von Sorge- und Pflegearbeit, z.B. die unvergütete Versorgung von pflegebedürftigen Familienmitgliedern, die sonst auf umfassende staatliche Hilfen und mehr Gesundheitsversorgung angewiesen wären. Die geringeren Zugangschancen zu Leitungs- und Führungspositionen für Frauen und queere Menschen, vor allem in der Privatwirtschaft. Fehlende, mangelnde oder zu teure Fremdbetreuungsangebote für Kinder, die davon abhalten voll in den Beruf wiedereinzusteigen. Was wiederum zu einem geringeren Stundenlohn von Menschen führt, die auf Teilzeitarbeitsmodelle angewiesen sind, weil sie in der restlichen Zeit unbezahlte Sorge-Arbeit leisten, da Teilzeit häufig nur in weniger gut bezahlten Berufen und Positionen möglich ist.
Und viele weitere… - Informieren Sie sich allgemein über Ihre Rechte als Arbeitsnehmer*in und Ihre Pflichten als Arbeitgeber*in! Auf der Informationsseite des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Entgelttransparenzgesetz gibt es umfassende Informationen für Beschäftige und Arbeitgebende.
- Stehen Sie für sich ein und verschaffen Sie sich Lohntransparenz! Hier finden Sie einen Leitfaden wie Sie sich als Beschäftigte*r Auskunft in Ihrem Unternehmen einholen können.
Wichtig ist und bleibt:
Ungleichbehandlung benennen, Gründe verstehen, bisherige gesellschaftliche Fortschritte wertschätzend anerkennen und gleichzeitig weitermachen, um eine Verbesserung für alle zu erlangen!
Quelle Titelbild: © BPW Germany e.V. (Bild, Pressekoffer)
Quellen:
1 Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung Nr. 453 vom 16. Dezember 2025.
2 LGBTQIA+ Equal Pay Awareness Day.
3 Was ist der Queer-Pay-Gap? comdirekt Magazin, 12. Juni 2024.
4 Bundesarbeitskreis queer in ver.di. „Mehr als Standard – aber noch nicht alles“ vom 5. Dezember 2025.

