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Transkulturelle Kompetenz

Wenn wir von transkultureller Kompetenz sprechen, meinen wir die Kompetenz, mit Menschen zu arbeiten, die sich verschiedenen Gruppen zugehörig fühlen. Wenn Kultur etwas ist, was zwischen den Menschen geschieht, dann gibt es nicht „die“ Kultur, denn jede Begegnung zwischen zwei Menschen schafft etwas Drittes. So bedeutet Transkulturalität für uns keine Bewegung zwischen monolithischen Kulturblöcken, die kompetente Vermittler brauchen (die interkulturellen BeraterInnen), sondern wir sehen darin eher die Begegnung zwischen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftskulturen, die mit jedem Kontakt eine neue Ausprägung von Kultur schaffen.

Nicht die Menschen bewegen sich zwischen den Kulturen, sondern die Kultur entsteht zwischen Menschen.

Es gibt vieles, was das Zusammenleben beeinflusst: Geschlechter, Religionen, Regierungs- und Rechtssysteme, regionale Besonderheiten, Bildungshintergründe, sexuelle Orientierungen, Sprachen, Moden, Körperlichkeiten, Menschenbilder. Bei all diesen Faktoren geht es jedoch immer auch darum, in welches Verhältnis wir uns dazu setzen.

Und es gibt innerhalb dieser Rahmenbedingungen unterschiedliche Grade an Spielräumen. Es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, unterschiedliche Freiheitsgrade in den Blick zu nehmen und immer wieder neu zu verhandeln.

Die Bewegungsmöglichkeiten zwischen den Gruppen, ihre Ausschließlichkeiten oder Offenheiten, gestalten Konflikt- oder Entwicklungspotentiale. Diskutiert wird dies vor allem in Gruppen, die sich als Nationen / Ethnien / Staaten definieren oder definiert werden. Denn wenn Menschen von einem Staat in den anderen wechseln ist das ein politischer Akt, der an den Grenzen staatlicher Sanktionierung und potentieller Gewalt unterliegt. Deutlich wird dies  an den Reichtumsschlagbäumen der EU, deren wirtschaftliche Abschottungsmaßnahmen zu einer stillschweigenden Akzeptanz des Todes von Flüchtlingen an der Mittelmeer-Grenze führt. Diese Politik ist auf gesellschaftliche Vermittlung in der Meinungsbildung angewiesen ist, um durchsetzbar zu sein.

Rassismus wahrnehmen / Akzeptanz üben

So verstehen wir transkulturelle Kompetenz auch als das Interesse und die Fähigkeit, politische Herrschaftszusammenhänge (Rassismus, Ausgrenzung fördernde Gesetzgebung, Dominanzerfahrung) zu reflektieren und sich darin immer wieder zu verorten.

Transkulturelle Kompetenz bedeutet dann auch, die persönliche Bereitschaft mitzubringen, eigenes Nicht- oder Halbwissen, ins Fettnäpfchen treten, eben den normal-menschlichen Unperfektionismus zu akzeptieren lernen. Erst diese Toleranz den eigenen Ansprüchen gegenüber ermöglicht es, auch bei zwischenmenschlichen Irritationen oder Verunsicherungen nicht aus dem Kontakt auszusteigen. Das Lernpotential liegt darin, auch neue Blickwinkel einzunehmen und Verbindungen immer wieder herzustellen. Denen, die sich in verschiedenen Aspekten von uns unterscheiden und uns in anderen Aspekten gleichen mögen, möchten wir mit Respekt und Akzeptanz begegnen.

TuBF 2012

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